Am 11.Oktober um 19 Uhr zeigen wir im Kollektivcafé Kurbad (Sternstraße 20) den Film „Betongold“. Eintritt frei.

Im Anschluss wollen wir über das Thema Wohnraum und Mieter*innenproteste in Kassel ins Gespräch kommen und freuen uns daher sehr über Interessierte.

Über den Film:

BETONGOLD – Wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam
DE 2013, Farbe, HD, Blue Ray, 44 Min / 52 Min

Regie, Buch: Katrin Rothe, Kamera, Ton: Martin Langner,
Schnitt: Silke Gänger, Musik: Thomas Mävers, Trickfilm: Karotoons
Sender: ARTE, RBB, Redaktion: Dagmar Mielke, Gabriele Conrad
Vor sieben Jahren wurde die globale Finanzkrise von faulen amerikanischen Immobilienkrediten ausgelöst. Jetzt droht die nächste Immobilienblase: In Europa investieren verunsicherte Anleger nicht mehr in Aktienfonds, sondern in Häuser und Wohnungen, in so genanntes Betongold. Beton gilt als krisensicher. Vor allem in den Großstädten ist die Nachfrage riesig, die Quadratmeterpreise für Wohnraum sind explodiert. Die Verlierer des Booms sind die Mieter. Sie werden systematisch aus den Innenstädten verdrängt.

Wenn ein Haus in die Hände eines Investors fällt, heißt das für die Mieter Angst und Unsicherheit. Denn nur, wenn die Wohnungen leer sind, lassen sich aus ihnen lukrative Anlageobjekte machen. Im Briefkasten landen Abmahnungen, Kündigungen, Räumungsklagen. Zwar schützt das deutsche Mietrecht die Mieter, aber das Recht wird in der Realität immer weiter ausgehöhlt.

Auch das Haus in Berlin-Mitte, in dem ich seit 16 Jahren zur Miete wohne, bekommt eines Tages einen neuen Besitzer. Es ist ein Investor, spezialisiert auf „einzigartige Wohnungsbauten in Toplagen“ und „Wohnhäuser mit Entwicklungspotential“. Bei meinen Recherchen stoße ich auf ein dubioses Firmengeflecht. Es ist eine neue Welt, mit der ich da konfrontiert werde, eine Welt voller Provokationen, Lügen und Briefterror. Aber versuchte Nötigung ist schwer nachweisbar. Der Investor erscheint zunehmend als übermächtiger Feind, dem wir, die einzelnen Mieter, hilflos ausgeliefert sind – trotz Rechtsberatung, trotz gültiger Mietverträge, trotz Kündigungsschutz.

Mein Film erzählt, wie eine Mietergemeinschaft plötzlich in den Strudel des globalen Immobilienhypes gerät. Mit der Kamera habe ich unseren monatelangen Kampf gegen Einschüchterungen und Schikanen festgehalten. Was ich nicht gefilmt habe, zeige ich in Zeichentrickszenen. Zum Beispiel die Besichtigungstermine.

Oft unterscheiden sich die Kaufinteressenten kaum von uns, den bisherigen Mietern. Auch sie gehören zur deutschen Mittelschicht, auch sie sind Getriebene der Finanzkrise, die versuchen, ihr Geld existenzsichernd anzulegen. Für Solidarität mit uns, den Mietern, bleibt da kein Platz. Den wenigsten Käufern dabei ist bewusst, dass sie, auch wenn sie die bewohnten Wohnungen „nur mal“ besichtigen, schon Teil eines Systems aus Druck, Rendite und Verdrängung sind.

Was wird aus unsren Städten? Noch ist Berlin durchmischt, noch ist Berlin eine Stadt der Mieter.

Der Film thematisiert den schleichenden städtischen Umbau der Eigentumsverhältnisse. Und er zeigt auch die innere Zerrissenheit der Betroffenen, denen – wenn sie nur schnellstmöglich ausziehen – immer höhere Abfindungen angeboten werden. Doch was anfangen mit all dem Geld? Eine Wohnung anzahlen, Schulden machen? Selbst in Betongold investieren?

mietrecht

Advertisements